Max und Sebastian - Eine nostalgische Lausbuben-Geschichte in 24 Streichen SingLiesel-Adventsgeschichten
Das 4. Türchen
Krapfen mit Senf
Den Mund voller Zuckerstreusel saßen Max und Sebastian auf ihrer Bank hinter dem Schuppen. Ihr Vater hatte ihnen aus der Bäckerei Krapfen mitgebracht, die mit Erdbeermarmelade gefüllt waren. Gerade tropfte ein dicker Klecks Marmelade auf Sebastians Arm. Schnell schleckte er ihn ab. „Lecker“, sagte er. Er mochte die Krapfen mit Erdbeermarmelade besonders gerne, Max bevorzugte die mit Aprikosenmarmelade. Und immer, wenn es Krapfen gab, waren die Buben bei den ersten Bissen besonders gespannt, ob der Krapfen mit roter oder gelber Marmelade gefüllt war. Manchmal schlossen sie sogar eine Wette ab! Aber dem Krapfen konnte man es vorher wirklich nie ansehen, wie er gefüllt war.
Ihre Vorliebe für Krapfen hatten die beiden von ihrem Großvater geerbt. Fast jeden Tag kaufte der Großvater einen Krapfen in der Bäckerei Huber, den er nachmittags zum Kaffee oder zum Tee aß. Und so kamen die Buben einmal auch auf die Idee, ihm einen Krapfen-Streich zu spielen.
Eines Tages stahlen sie sich in einem unbeobachteten Moment in die Küche. Dort lag der Krapfen für den Großvater bereit; er hatte ihn vormittags gekauft, und machte jetzt, nach dem Mittagessen, grade noch ein Nickerchen. Sebastian hielt eine große Spritze in der einen Hand und ein Glas Senf in der anderen. Während Max Schmiere stand, zog Sebastian mit der Spritze die Marmelade aus dem Krapfen. Dann schraubte er das Senfglas auf und zog die Spritze mit dem Senf auf. Aus den Augenwinkeln sah er, dass sich Großvater näherte. Schnell spritzte er die gelbe Masse in den Krapfen. Dann versteckte er sich mit seinem Bruder im Flur.
In der Küche hallten sie die Schritte ihres Großvaters, der Kaffee kochte. Verführerisch zog der Duft bis in den Flur. Sie hörten, wie ihr Großvater sich setzte. Jetzt war es so weit. Im nächsten Moment würde ihr Großvater in den Krapfen beißen. Für einen kurzen Augenblick wurde es ganz still. Dann war das erstaunte Fluchen des Großvaters zu hören.
Lachend beeilten sich die beiden Buben, aus dem Flur ins Freie zu rennen und Land zu gewinnen. Bis zum Abend hatte sich der Großvater wieder beruhigt, er konnte sich ja denken, wer hinter diesem Schabernack steckte.
Dennoch überlegten die beiden Buben heute, als sie sich auch so gute Krapfen schmecken ließen, wie sie den Streich wiedergutmachen könnten. „Wir bitten die Bäckerin Huber, dass sie für Opa den größten Krapfen der Welt backen“, schlug Sebastian vor. Gesagt, getan. Die gutmütige Bäckerin, die die Buben kannte, konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als sie mit dieser Bitte in den Laden kamen. „Und wie soll er gefüllt sein?“ „Rot!“, rief Sebastian, und „Gelb!“ rief Max. „So ein großer Krapfen verträgt eine doppelte Füllung“, schlug die Bäckerin vor. Am nächsten Tag staunten die Buben nicht schlecht, als sie den Krapfen abholten: der war ja fast so groß wie ein Fußball! Der Großvater klatschte bei diesem Anblick begeistert in die Hände. So ein riesengroßer Krapfen! Ihm lief bereits das Wasser im Mund zusammen.
Wieder hatten Max und Sebastian ein Leuchten in die Adventszeit gebracht.
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