Pflegeversicherung

Kapitel 1: Demenz - was bedeutet das eigentlich?
Kapitel 2: Leben mit Demenz
Kapitel 3: Hilfe und Unterstützung
Kapitel 4: Finanzielles

- Pflegeversicherung
- Krankenversicherung
- Sozialhilfe
- Schwerbehindertenausweis
- Pflegende Angehörige

Kapitel 5: Rechtliches

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Wer in erheblichem Maße pflegebedürftig ist oder aufgrund einer Demenz einer Betreuung im Alltag bedarf, hat Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung. Der Umfang dieser Leistungen hängt vom Grad der Pflegebedürftigkeit ab.

Die Pflegestufen

Stufe I    Täglich mindestens 90 Minuten, davon mehr als 45 Minuten bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität) und zusätzlich  mehrmals wöchentlich Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung

Stufe II    Mindestens dreimal täglich, zu verschiedenen Tageszeiten, Hilfebedarf bei der Grundpflege. Zusätzlich mehrmals wöchentlich Hilfebedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Der tägliche Hilfebedarf muss mindestens 3 Stunden umfassen, von denen 2 Stunden auf die Grundpflege entfallen.

Stufe III    Der Hilfebedarf bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) ist täglich rund um die Uhr vorhanden, auch nachts. Zusätzlich ist mehrfach wöchentlich Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung notwendig. Der tägliche Hilfebedarf umfasst mindestens 5 Stunden, von denen mindestens vier Stunden auf die Grundpflege entfallen.

Personen, deren Hilfebedarf die Anforderungen der Stufe III noch deutlich übersteigt, können die sogenannte Härtefallregelung in Anspruch nehmen. In diesem Fall sind die Leistungen erhöht.

Leistungen bei eingeschränkter Alltagskompetenz

Menschen mit Demenz haben häufig erst im mittleren Erkrankungsstadium Hilfebedarf bei der Grundpflege und erfüllen erst dann die Kriterien für die Pflegestufe I. Trotzdem brauchen sie schon vorher Hilfe in Form von Betreuung und Beaufsichtigung. Ist dies der Fall, so können Sie Leistungen bei eingeschränkter Alltagskompetenz beziehen. In Pflegestufe 1 und 2 erhöhen sich die monatlichen Leistungen, wenn zusätzlich die Alltagskompetenz eingeschränkt ist. 

Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Wird eine Person daheim von Angehörigen oder anderen nicht erwerbsmäßig pflegenden Personen versorgt, so erhält der pflegebedürftige Mensch das sogenannte Pflegegeld, um die Pflegeperson zu vergüten. Damit verbunden sind regelmäßige sogenannte Qualitätssicherungsbesuche.

Die Pflegeperson vereinbart mit einem von ihr ausgewählten Pflegedienst oder Pflegeberater  einen Termin in der Wohnung des Pflegebedürftigen. Dieser Besuch dient in erster Linie der Beratung, durch die der Berater zugleich sicherstellen soll, dass die Pflege ausreichend gewährleistet ist.   

Wird ein professioneller Pflegedienst mit der Versorgung betraut, so kann der Pflegebedürftige Pflegesachleistungen beziehen. Der Pflegedienst rechnet dann seine Tätigkeit direkt mit der Pflegekasse ab.

Beide Leistungsarten (Pflegegeld und Pflegesachleistung) können auch kombiniert werden.

Zusätzliche Betreuungsleistungen

Wer Leistungen der Pflegeversicherung bezieht, kann zusätzlich auch anfallende Kosten für Betreuung im Alltag (beispielsweise durch ehrenamtliche Helfer) erstattet bekommen, und zwar bis zu einem Betrag von monatlich 100 € (200 € bei erhöhtem Aufwand).

Weitere Leistungen der Pflegeversicherung

Pflegebedürftige Menschen haben für folgende Hilfen Anspruch auf Kostenerstattung oder teilweise Erstattung:

 - Tages- und Nachtpflege (allerdings nur, wenn der Bedarf belegt werden kann)
 - Kurzzeitpfle-ge (bis zu vier Wochen im Jahr) und der Verhinderungspflege (bis zu 6 Wochen jährlich)
 - Pflegehilfsmittel und technische Pflegehilfen (z.B. Pflegebett). Sofern möglich, werden Pflegehilfen leihweise zur Verfügung gestellt
 - Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes
 - Leistungen zur stationären Pflege (Pflegeheim): Hier reichen die Zuschüsse von 1.023 € bei Pflegestufe I bis hin zu maximal 1.918 € bei Pflegestufe III und besonderem Härtefall

Leistungen für pflegende Angehörige:

 Der Besuch eines Pflegekurses
 Beitrag zur Rentenversicherung (sofern mindestens 14 Stunden wöchentliche Pflege geleistet werden und die Pflegeperson nicht mehr als 30 Stunden wöchent-lich erwerbstätig ist)
 Individuelle Pflegeberatung

Über die hier aufgezählten Leistungen hinaus gewährt die Pflegeversicherung auf Antrag Unterstützung für spezifische Pflegesituationen, beispielsweise, wenn mehrere pflegebedürftige Personen, die in räumlicher Nähe leben, Ihre Ansprüche bündeln (das sogenannte „Poolen“), oder wenn Personen in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft versorgt werden.

Wie verläuft das Antragsverfahren?

Leistungen der Pflegeversicherung werden bei der Pflegekasse des pflegebedürftigen Menschen beantragt. Fragen Sie die Sachbearbeiter der zuständigen Krankenkasse nach den entsprechenden Antragsunterlagen.

Im nächsten Schritt lässt die Pflegekasse durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung („MDK“, bei privaten Pflegekassen „Medicproof“) das Ausmaß der Pflegeversicherung überprüfen.

Der Medizinische Dienst sucht die pflegebedürftige Person daheim auf und macht sich im Gespräch mit ihr und ihren Angehörigen, sowie mithilfe von Tests, ein Bild davon, in welchem Umfang und bei welchen Alltagstätigkeiten Hilfe benötigt wird. Im Anschluss erstellt er ein Gutachten, auf dessen Basis dann entschieden wird, ob Leistungen der Pflegeversicherung gewährt werden und in welche Stufe der Pflegebedürftige eingruppiert wird.

Es kommt häufig vor, dass gerade Personen im Anfangsstadium einer Demenz ihren tatsächlichen Hilfebedarf nicht im Blick haben. Auch wollen sich die Betroffenen vor einer fremden Person nicht als hilflos darstellen und geben sich bei der Begutachtung unter Umständen große Mühe, zu zeigen, was sie alles noch können - auch wenn sie im „realen Alltag“ deutliche Einschränkungen haben.
Um zu vermeiden, dass der Unterstützungsbedarf des Menschen mit Demenz unterschätzt wird, sollten Angehörige ein sogenanntes Pflegetagebuch führen. Entsprechende Vordrucke erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse.

Bitten Sie den Medizinischen Dienst, Ihnen das Gutachten zuzusenden. Sollte der Bescheid nicht in Ihrem Sinne ausgefallen sein, können Sie dagegen Widerspruch einlegen.

   
   
 

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