Sprichwort-Geschichten

Kölnisch Wasser

Die meisten Paare lernen sich beim Tanzen kennen. In der Tanzschule oder später beim Tanztee. Nicht so Hedwig und der Schneidergeselle Franz. Franz war schon immer ein wenig ungeschickt. Seinen Meister brachte er damit oft zur Verzweiflung. Immer wieder passierte es, dass Hosenbeine nach dem Kürzen auf einmal unterschiedlich lang waren, Hosen nach dem Ändern mal zwickten oder zu weit waren und nur mit Hosenträgern Schlimmeres hätte verhindert werden können. Wenn wieder mal ein derartiges Malheur passierte, erhielt Franz den Auftrag, Ware auszuliefern. Doch auch das ging manches Mal schief.

Zu Weihnachten legte der Meister jedem Paket eine kleine Flasche Weinbrand bei, wenn die Lieferung an einen Herrn ging. Bei einer Dame fand sich neben dem geänderten Kleid ein kleines Fläschchen Kölnisch Wasser.
Auch Hedwigs Mutter, die auf einen geänderten Rock wartete, erhielt ein solches Päckchen. Nur dass Franz nicht das Kölnisch Wasser beigelegt hatte, sondern eine Flasche Weinbrand. Doch das war noch das kleinere Mißgeschick.

Franz machte sich daran, das Kleid samt Geschenk auszuliefern. Auf dem Fahrrad ging noch alles gut. Auch als er auf der Treppe zur Wohnung von Hedwigs Eltern stolperte, passierte zum Glück nichts. Das Malheur nahm erst an der Wohnungstür seinen Lauf. Franz lehnte sic außer Atem an die Tür und die Tür gab nach. Franz samt Päckchen stolperte in die Wohnung und fiel der Länge nach hin. Die Flasche Weinbrand zerbrach, ebenso wie die Vase im Flur.

Wie ein Käfer lag Franz auf dem Rücken! Und blickte in Hedwigs Augen, die fröhlich lachte. Als beide wenige Monate später heirateten, zwinkerte sein Meister und sagte:

Scherben bringen Glück!

 Aus: Die schönsten Sprichwort-Geschichten rund um Haus und Hof, Linus Paul, SingLiesel-Verlag, 12,95 €
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Der Topfgucker

Franz und Hedwig hatten sehr früh geheiratet. Nicht zuletzt weil Hedwig mit Max schwanger war. Ein Glück war für die beiden, dass sie zunächst ins Haus von Hedwigs Eltern ziehen konnten. Franz als frischgebackener Schneidergeselle verdiente nämlich erst einmal nur wenig Geld. Jeder Pfennig, den Franz heimbrachte, wurde zweimal umgedreht.

Zu essen gab es oft Dampfnudeln. Das war Franz Leibgericht und Dampfnudeln kosteten nicht viel. Allerdings wurden die Dampfnudeln nicht immer rund und luftig, sondern klein und fest wie Gummibälle, weil Franz heimlich und ungeduldig in den Topf schaute und so der Dampf entwich. „Dampfnudeln sind kein Gericht für neugierige Topfgucker!“ rief Hedwigs Mutter dann gerne aus, denn Hedwigs Vater hatte sich von seinem Schwiegersohn im Topfgucken anstecken lassen. Energisch scheuchte Hedwigs Mutter die Männer aus der Küche.

Nach zwei Jahren hatten Franz und Hedwig genug gespart, um endlich in eine eigene und sehr kleine Mansarden-Wohnung zu ziehen. Zum Einzug schenkte ihnen Hedwigs Mutter ein Spruchbild, das noch heute in ihrer Küche hängt und das sie an die lange Zeit des Wartens auf die eigene Wohnung erinnert:

Eigener Herd ist Goldes wert.

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