phone Schnell und einfach bestellen
Telefon: 0721 37 19-520
Kauf auf Rechnung und kostenfreier Versand

Die Kunst des Verstehens - Vermeiden Sie diese Fehler in der Betreuung

Wer alles schon weiß, braucht nichts mehr zu verstehen

 
Im Verlauf Ihrer Ausbildung lernen Sie vieles, was Sie für die Betreuung brauchen. Dieses sogenannte „Regelwissen“ ist die Grundlage Ihrer Arbeit, und Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, Ihnen jährlich Fortbildungen zu ermöglichen, um dieses Wissen zu erweitern. Außerdem bringen Sie persönliche Fähigkeiten und Erfahrungen in die Arbeit ein: Ihre Lebenserfahrung, Ihre Menschenkenntnis, Ihre Fähigkeiten im Umgang mit Menschen.

All dies Wissen zusammengenommen reicht aber nicht aus, um einen bestimmten Menschen zu verstehen. Logisch - jeder Mensch ist ja einzigartig.  Auch Sie würden nicht begeistert sein, wenn jemand anderes, der Sie verstehen will, dazu seine Nase ausschließlich in ein Fachbuch steckt. „Frag bitte mich!“ würden Sie dieser Person entgegenhalten.

Trotzdem passiert es im Alltag ständig, dass alten Menschen ein bereits vorhandenes Wissen quasi „übergestülpt“ wird. Wenn Sie einmal bewusst darauf achten, in Besprechungen oder bei Übergaben innerhalb eines Schichtwechsels, werden Sie das merken.

Hier ein paar Beispiele:
•     Die Beschäftigung mit der eigenen Lebensgeschichte ist für alte Menschen ein zentrales Thema.
Ist das wirklich immer so? Herr G. (ein alter Herr, den ich mehrere Jahre begleitet habe) hat sich zeitlebens geweigert, die tägliche Betreuungsgruppe zu besuchen, weil da „nur über früher“ geredet wurde, was ihn nicht die Bohne interessierte.

•    Menschen mit Demenz brauchen Zuwendung!
Das denkt sich die Mitarbeiterin und streicht der alten Dame im Vorbeigehen über den Kopf, ohne sich auch nur mit einem Blick zu vergewissern, ob die Dame diese Berührung jetzt möchte.

•    Wir arbeiten biografie-orientiert. Und im Biografiebogen steht klar: Frau M. ist Atheistin. Sie hat mit Kirche nichts am Hut.
So weit, so gut. Aber die mittlerweile demenzkranke Frau M. interessiert sich nicht für diesen Eintrag, sondern für den Gottesdienst. Sie möchte gern dabei sein und fühlt sich da offensichtlich wohl.

„Ausnahmen bestätigen die Regel“ heißt es. Jeder Mensch ist eine einzigartige Zusammensetzung aus „Regeln“ und „Ausnahmen“.  
Neben dem Fachwissen gibt es auch persönliche „Wahrheiten“, die die Fähigkeiten zum Verstehen beeinflussen. Dazu zählen z.B. die Altersbilder oder sogenannte Stereotype stark vereinfachende, häufig starre Vorstellungsbilder über Gruppen und einzelne Menschen. Jeder Mensch hat bestimmte Vorstellungen, was im Alter „gut“ ist und was nicht. Und nicht immer sind diese Bilder angemessen.

Beispiele:
•    Im Alter ist Sexualität kein Thema mehr.
So denken viele Menschen bis heute. Das führt unter anderem dazu, dass Mitarbeitende oft nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, wenn Menschen im Pflegeheim sexuelle Bedürfnisse äußern.

•    Wenn Frau G. fünfmal pro Stunde wegen Kleinigkeiten klingelt, dann liegt das daran, dass sie mit uns ein Machtspiel betreiben will!
Hat Frau G. das so gesagt? Nein. Dennoch sind die Mitarbeiter überzeugt, dass Frau G. genau das und nichts anderes im Sinn hat, weil Frau G. „eben so ein Machtmensch ist“. Was passiert? Ohne weiter nach möglichen Gründen zu fragen, lässt man Frau G. jetzt einfach extra lang warten, „damit  sie lernt, dass es so nicht geht“.

•    Herr A. wohnt nun schon so lange hier, ich weiß, wie er „tickt“.
Haben Sie das schon einmal erlebt? Ein Mensch sagt zu Ihnen „Ich verstehe dich voll und ganz!“ Und Sie denken: „Schön für Dich!“, denn Sie haben überhaupt nicht den Eindruck, dass die Person sie versteht, schon gar nicht „voll und ganz“.

Die Kunst des Nicht-Wissens
 

Eine gute Grundlage für die Kunst des Verstehens liegt darin, dass ich mir von Zeit zu Zeit, bevor ich zu einem der von mir betreuten Menschen Kontakt aufnehme, die folgenden Sätze sage:
 
1.    Ich kenne diesen Menschen nur ein wenig. Er hat 70, 80 oder mehr Jahre gelebt, bevor ich ihn kennen gelernt habe. Diese Jahre kenne ich allenfalls vom Hörensagen, und die Informationen stammen unter Umständen gar nicht von dem Menschen selbst, sondern von seinen Angehörigen.

2.    Ich werde den Menschen nie „voll und ganz“ kennen. Er ist immer mehr, als ich von ihm weiß.

3.    Es ist mir ein Anliegen, diesen Menschen besser kennen zu lernen und zu verstehen. Weil ich ihn nur dann gut betreuen kann.

4.    In jeder Begegnung habe ich die Möglichkeit dazu.

Diese Sätze können wie ein „Scheibenwischer“ wirken: Sie räumen scheinbare Gewissheiten zur Seite. So haben Sie wieder eine klare Sicht auf den Menschen, wie er JETZT ist. Und wer weiß,- vielleicht erleben Sie neue Seiten an ihm, die Ihnen bisher gar nicht aufgefallen sind.  

Mehr von Marion Bär:

Das große Handbuch für Betreuungskräfte, erschienen im SingLiesel Verlag

 

www.singliesel.de
Gut leben im Alter. Auch mit Demenz.
Bücher. Spiele. Fortbildungen.

logo515aa843d6c58

 

Bildnachweis: Shutterstock

Bitte klicken Sie in das Eingabefeld und geben die anschließend erscheinende Zeichenfolge ein

* Pflichtfeld

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

Einfach telefonisch bestellen unter 0721 37 19-520 - Kauf auf Rechnung & kostenfreier Versand