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Demenz - Angehörige erzählen

Demenz - Angehörige erzählen

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Mein Vater und die Gummi-Ente... "Demenz - Angehörige erzählen" schafft Raum für all die... mehr
"Demenz - Angehörige erzählen"

Mein Vater und die Gummi-Ente...

"Demenz - Angehörige erzählen" schafft Raum für all die kleinen und großen Geschichten, die Menschen, die Demenzkranke begleiten, erleben ... neben den schmerzlichen, auch die rührenden und die komischen Geschichten. Geschichten, die uns spüren lassen, dass der Umgang mit dementiell erkrankten Menschen nicht nur Last, sondern auch Bereicherung sein kann.

Die Erkenntnis, dass es vielen anderen auch so geht, ist manchmal hilfreicher als ein fachmännischer Rat: dass mein Onkel nicht der einzige ist, der Plastikblumen gießt, dass auch andere mit Glücksspielabos zu kämpfen haben oder schlucken müssen, wenn der demenzkranke Vater im Heim plötzlich mit seiner Flurnachbarin kuschelt, dass Schwimmflügel in jedem alter Sinn machen können, das weisser Nagellack wie Kaffeesahne aussieht.

Entstanden aus einer Vielzahl an Gesprächen und Interviews gibt das Buch tiefe , intime und manchmal amüsante Einblicke in das Leben mit Demenz. Beiträge und Interviews mit: Henning Scherf, Purple Schulz, Tilman Jens, David Sieveking

ISBN 978-3-944360-82-9
Format: 13,2 x 20,8 cm
Inhalt 112 Seiten

 

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Kundenbewertungen für "Demenz - Angehörige erzählen"
11.09.2017

tolles Buch

Das Buch habe ich mir bestellt.
Es ist ein wirklich tolles Buch.

11.09.2017

Auch für pflegekräfte

Ein tolles Buch, sehr zu empfehlen, auch für pflegekräfte

11.09.2017

Toll

Das Buch ist toll gut geschrieben.

07.09.2017

Echt empfehlenswert

Tolles Buch . Ich lese es gerade. Echt empfehlenswert.

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Leseprobe als pdf herunterladen Ticktack-Opa und sein Ninja-Schwert Pia Embach ist 35...

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Ticktack-Opa und sein Ninja-Schwert
Pia Embach ist 35 Jahre alt, Mutter von zwei kleinen Töchtern und Enkelin von Opa Oskar, der demnächst 92 wird. Noch immer sind er und seine Frau Anni Mittelpunkt der Großfamilie, die sich einmal die Woche zum gemeinsamen Abendessen tri. Obwohl Pia neunzig Kilometer zum Haus ihrer Großeltern fahren muss, packt sie ihre Mädchen jeden Donnerstag ins Auto und nimmt den langen Weg auf sich. Denn Donnerstag ist Ticktack-Opa-Tag.

Ticktack-Opa? Pia runzelte die Stirn und konnte sich zunächst keinen Reim darauf machen, was ihre kleine Tochter damit meinte. Erst als das Kind mehrfach darauf beharrte, klingelte es plötzlich in Pias Kopf. Klar! Opa Oskar war der Uropa ihrer Mädels, das klingt wie „Uhr“, und eine Uhr macht eben „ticktack“. Seitdem ist Oskar für Pias Kinder und die fünf anderen Urenkel der Ticktack-Opa und seine Frau Anni die Ticktack-Oma.
Zu Anni hatte Pia schon immer ein enges Verhältnis. Sie war die warmherzige Bilderbuch-Oma. Der Großvater hingegen, der für Reparaturen am Fahrrad zuständig war, wirkte stets ein wenig streng. Seit Oskar mit Alzheimer-Demenz lebt, fühlt sich Pia ihrer Großmutter noch mehr verbunden. „Unser Leben ist in vielen Situationen ähnlich“, hat die Enkelin festgestellt. So wie ihre fünf- und zweijährigen Töchter von ihr erwarteten, dass sie ständig da sei, wolle der Opa, dass die Oma die ganze Zeit bei ihm sitze. Doch im Gegensatz zu ihm, der in seiner „zeitlosen Welt“ lebe, organisiere Anni noch immer den Haushalt.

So steht sie zum Beispiel in der Küche, versunken in eine Arbeit an der Spüle, da schleicht Oskar sich an, leise wie ein Indianer auf dem Kriegspfad, packt sie von hinten und kitzelt sie. Anni, die ihn nicht gehört hat, zuckt zusammen, schreit, rudert mit den Armen, ist so erschrocken und aufgeregt, dass sie das Gleichgewicht verliert, fällt auf ihren Mann, der hinter ihr steht, und reißt ihn mit zu Boden, sodass beide wie die Maikäfer, Arme und Beine in der Luft, auf den Küchenfliesen liegen. Oskar kichert vor Vergnügen, Anni ist wütend. Aufstehen können sie beide nicht. Zum Glück trägt sie ein Notrufarmband und kann Sohn und Schwiegertochter, Pias Eltern, verständigen, die im selben Haus wohnen. Als Pia von dem Vorfall erfährt, muss sie lachen, glücklicherweise ist nichts Schlimmes dabei passiert. Aber sie weiß, dass diese unbeschwerte Sichtweise nur ihr als Enkelin vorbehalten ist. „Es macht einen Unterscheid, ob dein Vater oder dein Großvater betroffen ist“, sagt sie.

Und erst recht, wenn es sich um den Urgroßvater handelt, den Ticktack-Opa. Er ist der Star für seine Urenkel. Das siebente und jüngste Urenkelchen ist mit sechs Monaten zwar noch zu klein, um den Unterhaltungswert von Oskar zu schätzen, für alle anderen sind die Donnerstagnachmittage Showtime mit Opa. Wie ein Zirkusdirektor in der Manege thront er in seinem Sessel mitten im Wohnzimmer und dirigiert die fröhlich aufgeregte Schar. Die Kinder hängen an seinen Lippen, wenn er Anweisungen erteilt, wie die Decken für den Bau einer perfekten Höhle gefaltet werden müssen. Großzügig überlässt er die Greifhilfe seinen Anhängern, die sie, je nach Alter und Geschlecht, zum Hexenbesen für Bibi Blocksberg oder zum Ninja-Schwert umfunktionieren.

Zum Glück betritt Pia gerade das Zimmer, als Oskar, der viele Jahre lang Übungsleiter im Turnverein war, seinen Fans einen Purzelbaum demonstrieren will. Das Vorhaben muss vertagt werden, und Ticktack-Opa tröstet seine Urenkel, indem er die offizielle Erlaubnis erteilt, gemeinsam die Süßigkeitenschublade zu plündern. „Ihm schmeckt fast nichts mehr außer Süßem“, sagt Pia und zeigt Verständnis, wenn die „Zwerge“ konspirativ verkünden: „Ticktack-Opa will noch ein Eis!“ Logisch, dass die Kleinen auch eines bekommen. Zufrieden und erschöpft löffelt die eingeschworene Truppe ihr Eis und sieht dabei fern: Kinderprogramm, aber am liebsten „hundkatzemaus“.

„Keine Haare und keine Zähne verstehen sich gut“, witzelt Pia und kann sich nicht erinnern, dass sie als Mädchen so viel Spaß mit ihrem Opa hatte. Mit fortschreitender Demenz sei er viel herzlicher geworden.

Das empfindet auch Oma Anni so. In ihren 68 Ehejahren mit Oskar war nie viel Zeit für große Gefühle. Er arbeitete als Werkzeugmeister, sie kümmerte sich um die vier Söhne, den Haushalt und den großen Garten. Wenn sie abends gemeinsam eine Volksmusiksendung ansahen, mokierte er sich immer über die romantischen Texte. Jetzt ist er es auf einmal, der ständig von der Liebe spricht. Manchmal sieht er sie an und sagt diese drei kleinen Wörter: „Ich liebe dich.“ Einfach so. „Noch nie in meinem ganzen Leben“, sagt die 86-jährige Anni, „habe ich so viele Liebeserklärungen bekommen.“ Er, der ihr täglich die Schnürsenkel bindet, weil sie sich wegen Rückenproblemen nicht mehr bücken kann, sorgt sich um sie: „Wer macht das dann, wenn ich nicht mehr da bin?“

Im Augenblick kommen die beiden noch ganz gut zurecht – mit Unterstützung eines Pflegediensts, fünfmal die Woche Essen auf Rädern, täglich schaut jemand aus der Familie vorbei.
Und dann gibt es ja die Donnerstage, die harmonischen Treffen von vier Generationen. In der warmen Jahreszeit kocht Pias Bruder draußen in der Sommerküche. Ticktack-Opa schiebt die Kinder auf seinem Rollator durch den Hof und singt lauthals „Tu', tu', tu', die Eisenbahn …“ Erholt er sich dann im Liegestuhl, planschen die Kleinen im Waschtrog und kreischen vor Vergnügen, wenn er sie mit der Gießkanne nass spritzt. Kommt Oma Anni vorbei, leuchten seine Augen, und wie ein junger verliebter Bengel holt er mit der Kanne aus und lässt das ganze Wasser auf sie schwappen. „Ach“, ziert sie sich erst, „meine Frisur! Ich hab die Haare frisch gelegt.“ Doch als ihr Mann, die Kinder, Enkel und Urenkel lachen, kann auch sie nicht mehr ernst bleiben und stimmt fröhlich ein. „Die Familie fängt viel auf “, ist Pia überzeugt, und ihr ist bewusst: „Diese gemeinsame Zeit, die wir haben, ist ungeheuer kostbar.“
Wie glücklich sich auch die Urenkel schätzen, belegt ein Schulaufsatz, den eine von Pias Nichten in der dritten Klasse verfasste: „Mein Opa“, schrieb sie, „ist mindestens hundert Jahre alt oder noch älter. Er hat keine Haare mehr, aber dafür isst er immer viele Süßigkeiten mit uns.“

 

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